TEGEL.

VOM FLUGHAFEN ZUR SMART CITY.

Seit dem 4. Mai 2021 ist der Berliner Flughafen Tegel endgültig Geschichte. Auf einem Teil des freiwerdenden Geländes entsteht in den kommenden Jahren ein Leuchtturmprojekt des nachhaltigen urbanen Bauens – das Schumacher Quartier. Es wird das weltweit größte Wohnviertel in Holzbauweise.

09. September 2021 / Lesedauer: 14 Minuten
Tegel Projekt - Tempelhof
© Tegel-Projekt-GmbH

Es ist ein globaler Trend: Immer mehr Menschen ziehen in Ballungsräume. Vor dem Hintergrund von Klimawandel, demographischem Wandel und Digitalisierung gestalten sich die Herausforderungen für Städte zunehmend komplexer. Gefragt sind neue Wohn- und Lebenskonzepte, die zunächst entwickelt und anschließend in (städte-)bauliche Innovationen überführt werden müssen. Die deutsche Hauptstadt plant hier den ganz großen Wurf: Mit dem Projekt Berlin TXL entsteht ab 2021 ein Reallabor für ein CO2-neutrales Stadtviertel und für neue Formen des Bauens. In einem fünf Quadratkilometer großen Mikrokosmos wird das System Stadt mit all seinen Facetten neu gedacht und zukunftsfähig gestaltet.

Tempehof
Kleiner-Quartiersplatz
© Tegel-Projekt-GmbH

Berlin TXL besteht aus zwei Teilprojekten: der Urban Tech Republic, ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien mit Platz für bis zu 1.000 Unternehmen und 20.000 Beschäftigte. Und direkt angrenzend: das Schumacher Quartier, ein neues, smartes Wohnviertel, das die historische Lücke im westlichen Bereich des Kurt-Schumacher-Platzes schließt. Im Schumacher Quartier entstehen über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen in einem lebendigen, städtischen Umfeld mit Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Hier werden fortschrittliche Lösungen für die klimaneutrale Energieversorgung und hohe Energiestandards ebenso wie neue Modelle für Mobilität aufgezeigt. Technologien, die nebenan – in der Urban Tech Republic – erforscht und entwickelt werden. Herausragendes Merkmal des neuen Quartiers ist jedoch ein uralter Baustoff: Das Schumacher Quartier soll ein Modellquartier für urbanen Holzbau werden. Schon die Gebäude des ersten Bauabschnitts werden einen Holzanteil von mindestens 50 Prozent aufweisen. In den weiteren Bauabschnitten soll der Holzanteil noch deutlich gesteigert werden.

Berlin Tempelhof - Quartiersstraße
Quartiersstraße
© Tegel-Projekt-GmbH

Gelände mit bewegter Vergangenheit

Der Flughafen Berlin TXL stellte seinen Flugbetrieb im November 2020 endgültig ein und wurde nach neunjähriger Verzögerung durch sein Pendant Berlin BER „Willy Brandt“ an der südlichen Stadtgrenze Berlins im brandenburgischen Schönefeld abgelöst. Das nun brachliegende Flughafenareal in Tegel besitzt eine wechselvolle Geschichte: Bereits ab 1780 befand sich hier ein Artillerie-Schieß- und Übungsplatz des preußischen Heeres. In den 1930er-Jahren fanden Raketenversuche statt und während des zweiten Weltkriegs diente es als Truppenübungsplatz und als Standort von Flugabwehrgeschützen. Die Nutzung als Flughafen begann während der Berlin-Blockade im Jahr 1948. Innerhalb weniger Wochen wurde damals eine Landebahn angelegt, um den Nachschub sicherzustellen und die beiden Flughäfen Tempelhof und Gatow zu entlasten. Mit der Nachnutzung des 500 Hektar großen Geländes kommt nun eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas in die Umsetzung.

 

LEBENDIGER, NACHHALTIGER UND VOR ALLEM GRÜNER KIEZ.

 

Das Schumacher Quartier ist ein wichtiger Baustein in den Bestrebungen der Hauptstadt, neuen und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Begrenzt wird das mit 5.000 Wohneinheiten geplante Quartier vom Kurt-Schumacher-Platz im Osten, dem Kurt-Schumacher-Damm im Süden, dem Flughafentunnel im Westen und der Sternstraßensiedlung im Norden. In dem neuen Gebiet stehen Projekte landeseigener Wohnungsbaugesellschaften, privater Baugruppen und Genossenschaften nebeneinander. Anvisiert sind 50 Prozent kommunaler Geschosswohnungsbau vorwiegend zur Miete, 40 Prozent unterschiedliche Wohnformen und 10 Prozent studentisches Wohnen. Ungefähr 40 Prozent der Wohnungen, die die landeseigenen Gesellschaften errichten, sollen sozial gefördert werden. Gleichzeitig erhofft sich Berlin, dass das neue Wohnangebot die Mietpreissituation im Umfeld entspannt. Die Bebauung der Fläche in der Nähe des von den Berlinern liebevoll „Kutschi“ genannten Kurt-Schumacher-Platzes wird sich an den Ergebnissen eines vom Land Berlin ausgelobten städtebaulichen Wettbewerbs orientieren. Für Kinder und Jugendliche warten Bildungsangebote wie Kitas und Schulen, für ältere Semester Möglichkeiten des betreuten Wohnens. Läden, Restaurants und Cafés entlang der Straßen und Plätze richten sich an Einwohner aller Altersklassen. Gelebte Nachhaltigkeit setzt ein Zeichen in Richtung Klimawandel. Dementsprechend werden erneuerbare Energien, grüne Technologien sowie ein modernes Energienetz (LowEnergy-Netz) eine große Rolle im Schumacher Quartier spielen. Auch der Verkehr soll dank direkter Anschlüsse an den öffentlichen Personennahverkehr sowie vieler Fuß- und Radwege so umweltfreundlich wie möglich gestaltet werden. Großes Hauptziel ist eine klimaangepasste und wassersensible Stadtentwicklung.

 

Nachhaltiges Bauen mit Holz

Berlin Tegel Überblick - Tempelhof
Überblick
© Tegel-Projekt-GmbH

Bereits im September 2019 hat das Abgeordnetenhaus von Berlin einen Bericht über „Nachhaltigkeit auf dem Bau: Berlin baut mit Holz“ zustimmend zur Kenntnis genommen. In dem Beschluss dazu heißt es unter anderem, dass „der Baustoff Holz in Berlin in deutlich stärkerem Umfang eingesetzt werden und als Kohlendioxidspeicher einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourceneffizienz leisten“ soll. In Berlin TXL wurde dafür die sogenannte „Bauhütte 4.0“ installiert, ein Cluster für den innovativen Holzbau, in dem Akteure der Zivilgesellschaft, Forstwirtschaft, Forschung und Entwicklung, Bauindustrie und Stadtentwicklung zusammenkommen, um nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern. Schon im Mittelalter kamen Bauleute und Künstler zusammen, um in sogenannten Bauhütten Kirchen und Kathedralen zu errichten Im 20. Jahrhundert wurde die Idee von den Vertretern der Stilrichtung Bauhaus wiederentdeckt. Nun soll sie den Bau des Schumacher Quartiers inspirieren. Von der Forschung über die Entwicklung bis hin zur Produktion und dem fertigen Holzbau-Quartier findet alles an einem Ort statt – eine Konstellation, die dem urbanen Holzbau zum Durchbruch verhelfen könnte. Im Sinne eines umweltfreundlichen, ressourcenschonenden Bauens setzt man dabei in Berlin auf das lokale märkische Holz. Brandenburg steht mit seiner Waldfläche auf Nummer 5 in Deutschland und kann den gewaltigen Bedarf an Holzbaustoffen für Berlin TXL problemlos decken. Laut Dr. Denny Ohnesorge, dem Geschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie, wachse in Brandenburgs Wäldern innerhalb von 50 Tagen der gesamte jährliche Holzbedarf nach, nicht nur fürs Tegel-Projekt, sondern für alle 17.000 Berliner Wohnungen. Mit neuen Technologien, Vernetzung und intelligenter Produktion im Sinne von Industrie 4.0 soll es gelingen, den Holzbau mittelfristig 20 bis 25 Prozent günstiger als Massivbau zu machen – bei 80 Prozent Emissionseinsparung.

 

Berlin TXL – die Meilensteine

  • Mitte 2021: Übernahme des Flughafen-Tegel-Geländes durch die Tegel Projekt GmbH
  • Ab Herbst 2021: Einrichtung der Baulogistik, Anlage der Baustraßen und Altlastenbeseitigung
  • Ab 2022: Start der Tiefbauarbeiten und Grundstücksvergabe
  • 2027: Fertigstellung der ersten Wohngebäude und des Bildungscampus
  • Mitte 2030: Fertigstellung von Berlin TXL.

 

Berlin TXL im 3D-Modell erkunden

Automatisiertes Fahren, Solaranlagen auf den Dächern und viel Grün: Die App „Berlin TXL“ gibt allen Interessierten einen detaillierten Einblick in den aktuellen städtebaulichen Planungsstand von Berlin TXL. Durch Navigieren und das Rein- und Rauszoomen können Nutzerinnen und Nutzer über die Dächer hinwegfliegen und das Areal aus der Vogelperspektive kennenlernen oder die Details von Gebäuden und Freiflächen vom Boden aus betrachten. Auch das Schumacher Quartier mit seiner urbanen Kiez-Gestaltung ist im Modellenthalten. Die App steht im App Store für das iPad Pro (2. Gen) als Download zur Verfügung.

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